Data Scientist im Social Media Advertising

Name: Peter KupferPeter-Kupfer
Aktueller Job: Data Scientist bei einem Social Media Advertising Specialist

Hinweis: Dieser Beitrag wurde NICHT gesponsert. Dieser Beitrag ist ein persönliches Interview. 

Warum hast du dich für das Bioinformatik-Studium entschieden?

Der eigentliche Grund wieso ich mich damals für Bioinformatik entschieden habe war, dass ich einen universellen wie interdisziplinären Studiengang belegen wollte. Der Gedanke daran ein Studium zu absolvieren, was nach einen strikten Schema abläuft, war mir zuwider. Ferner war damals (2001) ein Studiengang, welcher neu etabliert wurde. Durch vorangegangene Informationsveranstaltungen reizte mich der Gedanke, sowohl mathematische Fähigkeiten, als auch Informatik-Kenntnisse zu erwerben. Darüber hinaus sollte ein biologisch-medizinischer Einblick noch das Gesamtbild abrunden.

Wo hast du Bioinformatik studiert und wie fandest du das Studium?

Ich habe damals 2001 in Tübingen mein Studium aufgenommen. Nach einer gewissen Zeit wurde mir die Kleinstadt langweilig und ich habe mich für die Fortführung des Studiums an der FU Berlin entschieden. Man muss erwähnen, dass die Universität in Tübingen, sowie die FU Berlin, zur selben Zeit ein Studiengang Bioinformatik eingeführt hatten. So war ein reibungsloser Wechsel möglich. Nach Absolvierung des Bachelors und dem Erwerb von ersten Berufserfahrungen, habe ich mich 2008 bewusst für die Fortsetzung des Studienganges entschieden. Ich bin nach Jena gezogen, da mir ein klassisches Diplom am Herzen lag. Nach Abschluss des Diplomstudiengangs habe ich an einem Institut in Jena meine Promotion abgelegt, bevor es letztendlich wieder nach Hamburg ging.

Durch die Tatsache an mehreren Universitäten studiert zu haben, kann ich keine allgemeine Aussage über den Studiengang geben. Jede Universität hatte einen anderen Schwerpunkt und unterschiedliche Ausrichtungen. In Tübingen war Bioinformatik als „Randerscheinung“ eines klassischen Informatik-Studiums anzusehen. Letztendlich absolvierte man ein Grundstudium wie ein Informatik-Student und hatte darüber hinaus ein paar – wenn auch sehr anspruchslose und langweilige – Biologie-Vorlesungen. Diese Tatsache, neben dem Leben in Tübingen an und für sich, war damals entscheidend, dass ich einen Wechsel nach Berlin vollzogen habe.

In Berlin war Bioinformatik sehr Mathematik-getrieben. Man absolvierte sehr viele Vorlesungen mit Mathematikern und Physikern. Durch Kooperationen mit der Charité und der Tatsache, dass sich die Universität damals schon um den Status der „Elite-Universität“ bewarb, war der Studiengang dort sehr zielführend. Durch Praktika, Seminare und einem reichhaltigen Angebot an zusätzlichen Angeboten, konnte man seine individuellen Interessen ausleben. Durch einen einigermassen frei wählbaren Studienplan konnte ich mich auf den mathematisch-informatischen Zweig spezialisieren.

Im direkten Vergleich zu den anderen Ausbildungsorten arbeiten in Jena die involvierten Fakultäten sehr gut zusammen.

Die Wahl für Jena war dadurch getrieben, dass 2008 wenige Universitäten den klassischen Diplom-Studiengang noch angeboten haben. Geografisch gesehen war Jena für mich das deutsche Sibirien und daran hat sich bis zum Wegzug auch nichts geändert. Dennoch muss ich für die Universität eine Lanze brechen, denn man versteht es in Jena sehr gut, den Studenten eine interdisziplinäre Ausbildung zu ermöglichen. Im direkten Vergleich zu den anderen Ausbildungsorten arbeiten in Jena die involvierten Fakultäten sehr gut zusammen. Auch die Universitäts-nahen Institute bieten den Studenten die Möglichkeit Einblicke über den universitären Tellerrand zu gewinnen. Angeeignetes Wissen kann eingesetzt werden, was mit ersten Berufserfahrungen gleichzusetzen ist. Durch die Überschaubarkeit von Jena, sind die alltäglichen Wege gering, die Kneipen, sowie die hohe Anzahl an jungen Menschen sind weitere Pluspunkte. Rückblickend vermisse ich die Zeit in Jena.

Wie bist du zu deinem aktuellen Job gekommen?

Nach meinem Studium und dem Umzug nach Hamburg, habe ich eine Anstellung in einem großen Konzern genommen, wo ich als Business Intelligence Specialist arbeitete. Nach rund zwei Jahren war es Zeit sich neu auszurichten, da gewisse Umstrukturierungen innerhalb des Konzerns meine alltäglichen Aufgaben und Tätigkeiten verändert hatten. Ich wollte mich nach einem Job umschauen, der nicht bei einem riesigen Konzern ist und darüber hinaus eine Nähe zu Mathematik und Informatik aufweist. Wichtig war mir auch, dass es ein relativ junges Unternehmen ist, welches noch Visionen hat und man sich im Alltag einbringen kann. Bonus sollte sein, dass dieses Unternehmen Schritt hält mit aktuellen Techniken und sich innovativ darstellt. Letztendlich bin ich aber nicht über die Vorstellung hinaus gekommen und habe mich letztendlich auch nie gezielt auf eine Stelle beworben.

Die Gretchenfrage, wie ich den aktuellen Job gefunden habe, kann ich mit einem „der Job hat mich gefunden“ beantworten. Ich wurde von einem Headhunter kontaktiert, welcher in meinem alten Job auf mich zukam. Er hatte Kontakte im Konzern und wurde auf mich und meine damalige Tätigkeit aufmerksam. Letztendlich hat es einige Zeit benötigt, bis ich mir seine vorgeschlagene Stelle näher angeschaut habe, da ich zuvor so direkt nie auf einen Job angesprochen wurde beziehungsweise man mich abwerben wollte. Nach dem obligatorischen Bewerbungsgespräch, einer anschließenden Diskussion über aktuelle Methoden und Techniken, sowie einem „Eignungstest“ mit einer Praxis-Aufgabe und deren mögliche Lösung, konnte man sich in der Folgewoche bei einem zweiten Gespräch über die Rahmenbedingungen des Jobs unterhalten. Zwei weitere Tage später lag ein Vertragsentwurf auf meinem Tisch, welchen ich unterschrieben habe. Meine Wunschvorstellungen zum neuen Job konnte ich letztendlich komplett umsetzen.

Was genau machst du in deinem Job?

(Picture by Yoel Ben-Avraham under CC BY-ND 2.0)

(Picture by Yoel Ben-Avraham under CC BY-ND 2.0)

Mein Arbeitgeber ist im Bereich Social Media und hierbei als Partner diverser Plattformen tätig. Neben klassischen Plattformen wie Facebook und Instagram, werden in den kommenden Jahren insbesondere Twitter, LinkedIn und Periscope, genauso wie Snapchat und Konsorten wichtiger. Der enorme Zuwachs an Usern ist natürlich auch für werbetreibende Unternehmen ein wichtiger Grund hier aktiv zu werden. Hier ist mein derzeitiger Arbeitgeber als Mittelsmann anzusehen. Firma XY will gezielt potentielle Kunden ansprechen und mein Arbeitgeber steuert die Kampagnen und sorgt für einen reibungslosen Livegang über ein selbst entwickeltes Tool.

Hinsichtlich meiner Tätigkeit ist es so, dass durch das enorme Datenaufkommen (Userdaten/Nutzerverhalten,…) das eingesetzte Tool weiterentwickelt werden soll. Durch statistische Analysen können Prognosen abgegeben werden, wie Kampagnen geplant und durchgeführt werden sollten. Darüber hinaus kann man Ableitungen hinsichtlich des Erfolgs abgeben, welche dem werbetreibenden Unternehmen bei Entscheidungen helfen soll. Eine ständige Weiterentwicklung der eingesetzten Methoden, aber auch Umstrukturierungen hinsichtlich der eingesetzten Technik sind somit notwendig. Hier kommt meine Stelle ins Spiel die sich sowohl auf methodische Umsetzungen, als auch auf technische Realisierung stützt. So werden bestehende Algorithmen verbessert, neu eingesetzt oder aber hinsichtlich ihrer Laufzeit optimiert. Darüber hinaus werden Datenbankstrukturen und -architekturen, genauso wie Servertechnologien (Apache, Cassandra, Hadoop, Spark,…) verbessert und umstrukturiert. Hierbei fungiere ich als Führungskraft und leite ein Entwickler-Team in Belgrad an, wenn es um Programmieraufgaben geht, sitze aber genauso mit Stift und Papier am Schreibtisch, wenn es um Optimierungsaufgaben geht. Ständige Weiterentwicklungen des eingesetzten Tools hier im Hause ist ebenfalls ein Aufgabenbereich, was sich fachlich in die Richtung von Machine Learning bewegt. Die User des Tools sollen bei Einsatz der Software intuitiv begleitet werden, genauso wie Real-Time-Analysen User-Entscheidungen visuell darstellen sollen.

Was magst du an deinem Job?

An meinem jetzigen Job schätze ich insbesondere die Tatsache, dass ich freie Hand bei Umsetzungen habe. Zum einen kann ich für ad-hoc-Analysen Tools wie Project R einsetzen, welches ich durch mein Studium kenne, aber letztendlich bin ich auf frei in der Entscheidung Implementierungen direkt in Java, C++ oder einer beliebigen Programmiersprache umzusetzen. Ferner gestaltet sich kein Tag wie der andere durch die Tatsache, dass ich operative Dinge mache, genauso wie ich „Visionen“ ausarbeiten und umsetzen kann. Ich kann mir meine Zeit selbst einteilen, Software und Technologien testen, sowie in Gesprächen Geschäftsentscheidungen aktiv mit gestalten. Die Tatsache, dass ich mit einem Stab an Entwicklern Ideen umsetzen kann, schätze ich ebenso, denn meist dauert es Jahre, bis man Führungsaufgaben zugewiesen bekommt. Flache Hierarchien (Duz-Politik), die Tatsache, dass ich keinen Vorgesetzten habe, da ich der Geschäftsführung direkt unterstellt bin, sowie das Gefühl, dass man sich in einem modernen Umfeld bewegt, runden meinen Job an. Darüber hinaus kommt man mit modernsten Technologien in Kontakt und kann diese auch aktiv einsetzen. Man bildet sich ständig weiter, hat innerhalb kürzester Zeit ein enormes Wissen aufgebaut und kann dieses einsetzen.

Sicherlich gibt es auch negativere Tage, jedoch sind diese selten und bis heute an zwei Händen abzuzählen.

Welchen Bezug hat dein Job noch zur Bioinformatik und welche Kenntnisse aus dem Studium nützen dir in deinem heutigen Job?

Meiner Meinung nach war Bioinformatik immer ein interdisziplinärer Studiengang, welcher dem Studenten die Chance gab, sich in eine Richtung zu entwickeln, die ihm zusagt.

Der Name Bioinformatik war meiner Meinung nach immer sehr irritierend. Mein biologisches Wissen würde eventuell noch für die 50 Euro-Frage bei „Wer wird Millionär“ reichen, danach wäre aber ein Ausscheiden sehr wahrscheinlich. Meiner Meinung nach war Bioinformatik immer ein interdisziplinärer Studiengang, welcher dem Studenten die Chance gab, sich in eine Richtung zu entwickeln, die ihm zusagt. Da ich mich sehr schnell von der Biologie und der Medizin abgewendet habe, war Bioinformatik für mich eine Mischung aus Mathematik und Informatik. Das Wissen, welches ich an der Universität hier mir aneignen konnte, setze ich aktuell tagtäglich ein. Zum einen mathematisches Verständnis, was die Optimierung, Entwicklung und Verfeinerung von Algorithmen betrifft, Programmierkenntnisse, diese Veränderung auch „lauffähig“ zu machen und erste Analysen umzusetzen. Durch die Programmierfähigkeiten ist man sehr schnell darin, sich in eine neue Programmiersprache einzuarbeiten. Genauso lernt man durch ein Studium sich innerhalb kurzer Zeit mit neuen Sachverhalten auseinander zu setzen, wie es jetzt täglich vorkommt. Sicherlich sind „State-Of-The-Art“-Techniken aus Studienzeit heutzutage überholt und werden teilweise nicht mehr eingesetzt, jedoch muss man klar sagen, dass MySQL-Wissen von damals auch heute noch hilfreich sein kann, wenn man sich beispielsweise in einer neuen Technik wie Spark oder Hadoop zurecht finden muss.

Welche Tipps würdest du Leuten geben, die gerne in diese Richtung gehen möchten?

Somit als Tip vielleicht: Seid aufgeschlossen, besucht Informationsveranstaltungen und lasst euch von ersten Eindrücken nicht unbedingt blenden.

Einen pauschale Tipp zu geben ist schwer. Sicherlich sollte großes Interesse für Informatik, Mathematik, aber auch Biologie oder Medizin bestehen, wenn man sich ernsthaft für den Studiengang interessiert. Dennoch, und so habe ich mein Studium erlebt, sollte man im Hinterkopf behalten, dass man sich nach einer gewissen Zeit auf ein „Spezialgebiet“ entscheiden muss, um hier notwendiges Expertenwissen aufbauen zu können. Wer sich für die Vorhersage von Proteinfaltungen interessiert, wird sich im Studium genauso gut aufgehoben fühlen, wie ein Student, der anstrebt mehr IT-lastig sein Leben zu verbringen. Jedoch, und dies ist eventuell der Grund für teilweise hohe Abbruch-Raten in diesem Studiengang, muss man stets aufgeschlossen sein und sich auch in der Lage sehen, Bereich „abzuarbeiten“ oder zu absolvieren, die nicht unbedingt die erste Wahl wären. Ich erinnere mich gerne an Biologie-Vorlesungen, die ich dermaßen langatmig fand, dass ich den Sinn des Studiums in Frage gestellt habe. Jedoch wird dies einem bei ziemlich allen Studiengängen widerfahren. Somit als Tip vielleicht: Seid aufgeschlossen, besucht Informationsveranstaltungen und lasst euch von ersten Eindrücken nicht unbedingt blenden. Selbst Universitäten unterscheiden sich hinsichtlich ihrem Angebot, ihrer Ausrichtung und der Art und Weise, wie der Studiengang aufgebaut ist. Ich für meinen Teil fand Jena besonders aufgeschlossen und unterstützend bei der Findung seiner persönlichen Interessen.

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1 Reaktion

  1. Oktober 13, 2016

    […] Peter Kupfer ist Data Scientist bei einem Social Media Advertising Specialist […]

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