Bioinformatiker in der Diagnostik

Wenn ich groß bin, will ich Forscher werden! Was genau bedeutet das eigentlich? Vieles was ich euch hier berichte, liefert euch einen Einblick in mein Berufsleben: die bioinformatische Forschung an der Universität. Es ist nicht unüblich, nach einem abgeschlossenen Bioinformatik-Studium eine Promotion anzutreten, aber wie geht es danach im Berufsleben weiter? Um euch die unterschiedlichen Berufswege eines Bioinformatikers näher zu bringen, lasse ich für euch ehemalige Bioinformatik-Studenten aus ihrem Berufsleben berichten. Denn wer könnte einen besseren Einblick in einen Job vermitteln, als die Menschen, die ihn täglich erleben? Los geht’s mit Dr. Steffen Priebe, der in Jena studiert und promoviert hat und nun bei Roche Diagnostics in Penzberg bei München arbeitet.

Roche Logo

Roche Logo (von F. Hoffmann-La Roche, Ltd. – Roche Annual Report 2006)

Name: Steffen Priebe
Aktueller Job: Bioinformatiker bei Roche Diagnostics

Hinweis: Dieser Beitrag wurde NICHT gesponsert. Dieser Beitrag ist ein persönliches Interview. 

Warum hast du dich für das Bioinformatik-Studium entschieden?

Nach dem Abitur wollte ich auf jeden Fall etwas mit Computern und Programmierung machen. Biologie und Genetik begeisterten mich aber ebenso. Das reine Informatikstudium erschien mir damals allerdings etwas zu einseitig. Nachdem ich mit einem Bekannten geredet hatte, der das Bioinformatik-Studium ein Jahr zuvor begonnen hatte, war ich von dieser damals noch recht unbekannten Fachrichtung schnell überzeugt und entschied mich dafür.

Wo hast du Bioinformatik studiert und wie fandest du das Studium?

Ich habe Bioinformatik an der FSU Jena studiert und danach am Hans Knöll Institut (ebenfalls in Jena) meine Diplomarbeit geschrieben. Anschließend schloss ich ebenfalls am HKI noch das Promotionsstudium ab. Rückblickend war die Studienzeit natürlich toll, auch wenn es nicht immer einfach war. Zu meiner Zeit war der Studiengang noch nicht modularisiert. Es gab einige Verwirrungen, welche Kurse man machen konnte bzw. musste, um das Studium erfolgreich abzuschließen. Ich denke hier hat sich mittlerweile vieles geändert. Rückblickend hat mir an vielen Stellen der praktische Bezug gefehlt. Während meiner Promotion habe ich gemerkt, dass es leider viele Dinge gab, auf die ich nicht wirklich vorbereitet war und die, wären sie Bestandteil vom Studium gewesen, mir die spätere Zeit erleichtert hätten. Einige Beispiele hierfür sind Skriptsprachen wie Perl und R, die damals kein Bestandteil der Informatikkurse waren oder aber ein praktischer Zugang zur Statistik.

Anm.: „Skriptsprachen und ihre Anwendungen“ wird mittlerweile als ASQ-Modul (Allgemeine SchlüsselQualifikationen) an der FSU Jena angeboten.

Wie bist du zu deinem aktuellen Job gekommen?

Ich habe nach passenden Stellen in Jobportalen im Internet gesucht. Nach verschiedenen Bewerbungen und Vorstellungsgesprächen fand ich eine Stelle als Bioinformatiker bei Roche in Penzberg.

Was genau machst du in deinem Job?

Im bin im Bereich small-scale Manufacturing bei Roche Diagnostics in Penzberg tätig. Wir produzieren qPCR-Assays und verschiedene Reagenzien für das LightCycler PCR-Analysesystem. Für das Design und die Qualifizierung neuer Assays werden hier verschiedene bioinformatorische Kenntnisse benötigt. Des Weiteren bin ich für die Verbesserung und Weiterentwicklung unserer Produktions- und Analysepipeline zuständig.

Was magst du an deinem Job?

Meine Arbeit ist praxisbezogen, was mir gut gefällt. Das steht im Kontrast zur Arbeit in der Forschung und dem wissenschaftlichen Publizieren, wie ich es während meiner Promotion gewohnt war. Neben den erforderlichen routinemäßigen Aufgaben habe ich bei meiner Arbeit trotzdem noch die Möglichkeit eigene Ideen umzusetzen. Außderdem bieten sich immer wieder interessante Projekte mit verschiedenen Abteilungen im Pharma-Bereich.

Welchen Bezug hat dein Job noch zur Bioinformatik und welche Kenntnisse aus dem Studium nützen dir in deinem heutigen Job?

Einen starken Bezug: Viele Arbeiten beinhalten typische bioinformatische Problemstellungen. Benötigte Kenntnisse aus dem Studium sind unter anderen:

  • Arbeiten mit Genom- und Transkriptomsequenzen,
  • Sequenzsuche und Alignment,
  • Primerdesign,
  • Programmierung,
  • das Arbeiten mit Datenbanken (z.B. Perl, R, Java, SQL), sowie
  • Grundkenntnisse der Laborarbeit.

Welche Tipps würdest du Leuten geben, die gerne in diese Richtung gehen möchten?

Generell würde ich anderen Studenten empfehlen sich schon während des Studiums zu überlegen in welchem Bereich man später tätig sein möchte (z.B. Forschung oder eher Wirtschaft). Daraufhin kann man sich informieren, wo diese Stellen zu finden sind und welche Kenntnisse dafür erforderlich sind. Dementsprechend einfacher lassen sich dann bereits während des Studiums persönliche Schwerpunkte setzen. Wer später im Pharmabereich tätig sein möchte kann schon während des Studiums über ein Praktikum erste Erfahrungen sammeln und erste Kontakte knüpfen.

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3 Antworten

  1. woolley sagt:

    Glaubst du, dass Promotion wichtig ist um als Bioinformatiker in der Wirtschaft arbeiten zu können, oder darf man sich da auch als Master oder sogar Bachelor Hoffnungen machen?

    • Franziska Hufsky sagt:

      Bioinformatiker sind sehr gefragt. Ich denke, man findet auch ohne Promotion Jobs in der Wirtschaft. Das hängt aber davon ab, welche Art von Job man sich vorstellt. Will man mehr eigenständig arbeiten und vielleicht auch ein eigenes Team koordinieren, dann ist eine Promotion erforderlich.

  1. Juli 7, 2016

    […] Steffen Priebe ist Bioinformatiker bei Roche Diagnostics […]

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